Während in Deutschland die Macht auf viele Fürstentümer verteilt war, lag in Frankreich die gesamte Macht beim König. Und wo der König baut, lässt sich auch der Adel nieder. Während des 100-jährigen Krieges floh das französische Königshaus an die Loire und fast 200 Jahre lang lag hier das eigentliche Machtzentrum Frankreichs.
Während es im zersplitterten Heiligen Römischen Reich eher Wehrburgen gab, entstanden im vergleichsweise geeinten Frankreich vor allem Schlösser als Luxusobjekte und Machtdemonstration.
Fast alle Namen, die man aus der Geschichte kennt, haben hier ihre Spuren hinterlassen.
Richard Löwenherz.
Aus dem Geschlecht der Plantagenets. Seine Familie stammt aus Angers, bevor sie den englischen Thron bestieg.
Er und seine Familie lebten teilweise in der Festung Chinon.
Begraben liegt er im Kloster Fontevraud.
Die Drei Musketiere.
Auch ihnen begegnet man hier immer wieder. D’Artagnan kommt in der Geschichte vom
Château de Meung-sur-Loire.
Der Schauplatz des echten politischen Dramas war allerdings das
Château de Blois.
Der historische D’Artagnan, Charles de Batz de Castelmore, bewachte im Château d’Angers den Finanzminister Nicolas Fouquet. Richelieu, sein berühmter Gegenspieler, besaß im echten Leben große Ländereien und ließ sogar seine eigene Stadt „Richelieu“ erbauen, die heute noch besichtigt werden kann.
Im Château de Blois hielt er sich oft im Gefolge des Königs auf. Das Château d’Amboise nutzte er zeitweise sogar als Staatsgefängnis.
Jeanne d’Arc.
Auch sie ist überall präsent. Die berühmte Szene, in der sie den König trotz seiner „Verkleidung“ erkannte, spielte sich in der
Festung Chinon ab.
Karl VII. überzeugte sie im Château de Loches, nach Reims zu marschieren. Im Château de Blois zog sie ihre Truppen zusammen, um Orléans zu befreien. Meung-sur-Loire wurde später ebenfalls von ihr zurückerobert. Das Château du Rivau lieferte ihre berühmten Schlachtrösser.
Leonardo da Vinci.
Er verließ seine Heimat Italien und zog an die Loire. Die Mona Lisa brachte er zusammen mit zwei weiteren Gemälden mit ins
Château du Clos Lucé.
Seine letzte Ruhestätte befindet sich im Château d’Amboise. Sein architektonisches Erbe lebt dagegen bis heute im Château de Chambord weiter – besonders in der berühmten Doppelhelix-Treppe.
Auch die neuere Geschichte findet sich hier wieder.
Chambord diente im Zweiten Weltkrieg als geheimes Kunstlager der Nazis.
In Montoire-sur-le-Loir besiegelten Hitler und Pétain mit einem Handschlag die Kollaboration des Vichy-Regimes mit Nazi-Deutschland.
Egal in welchem Schloss man sich befindet – überall begegnet man Geschichte. Gleichzeitig sind es prachtvolle Schlösser mit teilweise wunderschönen Gärten, die sich auch ohne großes Interesse an Geschichte wunderbar erkunden lassen. Dazu kommt, dass viele dieser Orte nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen.