Chateau Chambord
EINDRÜCKE
Dieses Schloss beeindruckt vor allem durch seine außergewöhnliche Architektur. Besonders markant ist das große, zerklüftete Dach, das sich mit seinen zahlreichen Türmchen und Schornsteinen spektakulär vom Himmel abhebt. Schon beim Näherkommen vom Parkplatz aus entfaltet Chambord seine volle Wirkung – mächtig, elegant und völlig freistehend in der offenen Landschaft. Kein Wald, keine benachbarten Gebäude stören den majestätischen Anblick.
GESCHICHTE
und 17. Jahrhundert Luftbild Beim Regierungsantritt Franz I. war das Tal der Loire mit seinen Schlössern und Burgen das gesellschaftliche und kulturelle Zentrum des höfischen Frankreichs. Unter dem Einfluss und dem Mäzenatentum des Königs etablierte sich die Kunst der aus Italien stammenden Renaissance endgültig im Land und führte zu zahlreichen Neubauten, die noch heute die Region des Loiretals prägen. Neben dem Schloss von Fontainebleau war das 1519 begonnene Schloss Chambord das aufwändigste Projekt Franz I.
Das Schloss war ein Bau mit großer Bedeutung: Es sollte einerseits dem Hof als Jagdschloss dienen, doch wichtiger war, mit dem Bau als Symbol der Macht die Leistungsfähigkeit und Stärke Frankreichs zu demonstrieren – ähnlich wie das Schloss Versailles des Sonnenkönigs eineinhalb Jahrhunderte später. Franz I. machte sich Hoffnungen, Kaiser Karl V. die Krone entwinden zu können und an seiner statt die Herrschaft über das Heilige Römische Reich zu erlangen. Diesem Unterfangen sollte Chambord als steinernes Sinnbild der französischen Vormacht dienen.
Die Hoffnungen des Königs erfüllten sich nicht, und so blieb Chambord nur ein überdimensioniertes Jagdschloss; es diente weder ihm noch einem anderen französischen Herrscher als dauerhafte Residenz. Der an seinen ambitionierten Plänen gescheiterte König Franz verbrachte in Chambord insgesamt nur wenige Wochen. Immerhin gelang es ihm, den habsburgischen Rivalen Karl V. 1539 zu einem Besuch zu laden, der das Schloss als den Inbegriff dessen, was menschliche Kunst hervorzubringen vermag bezeichnete. Auch wenn sich in Chambord kein fester Hof etablierte, so nahm das Schloss als Jagdsitz doch eine bedeutende Rolle ein.
Während der großen Jagden wurden hier mehrere tausend Personen beherbergt. Abgesehen von den Jagdgesellschaften stand der riesenhafte Bau weitgehend leer. 1552 wurde hier der Vertrag von Chambord unterzeichnet. Der Sonnenkönig Ludwig XIV. nutzte es gelegentlich für opulente Feste.
In seiner Regierungszeit wurde Molières Ballett Der Bürger als Edelmann 1670 im Schloss uraufgeführt. Chambord war, wie alle frühen Königsschlösser, die nicht Hauptresidenz waren (im Unterschied zum späteren Schloss Versailles), nicht ständig möbliert. Sollte es zu Jagd- oder sonstigen Zwecken genutzt werden, mussten Personal und Mobiliar aus den königlichen Möbeldepots herangeschafft werden. Jahrhundert Von 1725 bis 1733 diente das Schloss als Residenz des exilierten polnischen Königs Stanislaus I. Leszczyński.
Von 1748 bis zu seinem Tode 1750 erhielt es der französische Marschall Moritz von Sachsen als Wohnsitz. Der bei seinen Soldaten beliebte und zeitlebens ungeschlagene Feldherr ließ die umliegenden Sümpfe trockenlegen, um Seuchengefahren vorzubeugen. Außerdem unterhielt er eine große Menagerie in der Nähe des Schlosses. Für deren Ausstattung beantragte er beim Kurfürsten von Sachsen im Februar 1738 die Übersendung von 100 lebenden Rehen. Sächsische Forstbedienstete sollten Rehkitze einfangen, das Jahr über aufziehen und im Herbst nach Torgau bringen.
Von dort sollten die Rehe mit einem Schiff über Hamburg nach Paris gebracht werden. Schloss Chambord auf einem Stich des 19. Jahrhunderts Das von ihm bewohnte Appartement ließ der Marschall wohnlich einrichten: die nackten Steinwände wurden mit Holztäfelungen versehen, Parkett wurde verlegt, und – die wichtigste Komfortsteigerung – Moritz ließ sich in seiner Heimat vier riesige Kachelöfen aus Fayence anfertigen und in seinen Räumen aufstellen. Mit diesen Öfen konnte er das Beheizungsproblem, das durch die vorhandenen offenen Kamine nur dürftig gemildert wurde, beheben. Der Marschall ließ außerdem in einem der Korridore ein Theater errichten.
Die vier Öfen, die vom Grafen Moritz von Sachsen für Schloss Chambord angeschafft wurden, bestehen nicht aus Meißener Porzellan, sondern aus Fayence und sind vom Töpfermeister J. Schmidt 1748/49 in Danzig angefertigt worden. Das sächsische Wappen unter der Ofenbekrönung trägt, entgegen dem üblichen Wappen mit der schrägrechts verlaufenden sächsischen Raute, einen sogenannten Bastardfaden mit einer schräglinks verlaufenden Raute. Zur Zeit der Französischen Revolution wurde das Schloss geplündert und das wenige verbliebene Inventar geraubt. Eine Zeitlang drohte Chambord sogar der Abbruch.
Vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart Als der Dichter Gustave Flaubert im 19. Jahrhundert durch die verwaisten Räume des riesigen Schlosses schlenderte, sinnierte er über dessen seltsames Geschick: Es ist alles gegeben worden, so als ob niemand es haben oder behalten wollte. Es sieht aus, als ob es so gut wie nie benutzt worden und immer zu groß gewesen sei. Es ist wie ein verlassenes Hotel, in dem die Reisenden nicht einmal ihre Namen an den Wänden hinterließen.
Napoléon I. übergab das Schloss zu Beginn des 19. Jahrhunderts an Louis-Alexandre Berthier. Während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 bis 1871 diente es als Lazarett und war Schauplatz eines Gefechts zwischen französischen und deutschen Truppen. Dabei wurde das Schloss von hessischen Truppen unter Hauptmann Kattrein gestürmt.
Während des Zweiten Weltkrieges diente das Schloss als Depot für ausgelagerte Objekte des Louvre. Schloss Chambord war das Vorbild für den Um- und Neubau des ursprünglichen Schweriner Schlosses in den Jahren 1845 bis 1857. Schloss Chambord mit seinem Park steht seit 1981 auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste. Es ist das größte und bekannteste der Loire-Schlösser und für Besucher zugänglich. Im Schloss sind die Prunkräume zu besichtigen, außerdem beherbergt es wechselnde Ausstellungen zu verschiedenen Themen.
Im Jahr 2000 wurden die zahlreichen Schlösser an der Loire sowie die Naturlandschaft des Loiretals zwischen den Städten Sully-sur-Loire und Chalonnes-sur-Loire zum Eintrag „Tal der Loire zwischen Sully-sur-Loire und Chalonnes“ in der UNESCO-Weltkulturerbeliste zusammengefasst.
(Quelle: Wikipedia)
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