Ort Colmar
EINDRÜCKE
GESCHICHTE
Ereignisgeschichte Ansicht der Stadt Colmar im Jahr 1644, nach dem Stich von Matthäus Merian in der Topographia Alsatiæ Schwendi-Brunnen von Frédéric-Auguste Bartholdi, errichtet 1898 zu Ehren von Lazarus von Schwendi Dicken (¼ Bettlertaler) von 1499 der Stadt Colmar, Vorbild aller Gepräge dieser Art. Mittelalter Colmar (lateinisch Columbaria oder Colmaria) wurde als Königsgut unter dem Namen Columbarium (Fiscum), „Taubenhaus“, auch Kolumbarium, im Jahr 823 erstmals urkundlich erwähnt. Anfang des 13. Jahrhunderts – wahrscheinlich nach 1214 – wurde der Ort Colmar auf Veranlassung des Landvogts Albinus Wölfel (oder Wölfelin) mit einer Ringmauer umgeben, die 1220 fertiggestellt war. 1226 wurde Colmar durch eine Urkunde des römisch-deutschen Kaisers Friedrich II.
zur Stadt erhoben und freie Reichsstadt. Im Jahr 1261 wurde die Stadt durch Gottfried I.von Habsburg-Laufenburg und Graf Rudolf in der Fehde mit Walther von Geroldseck eingenommen. Während der Pestpogrome wurde die blühende jüdische Gemeinde von Colmar 1348/49 vernichtet. Der Rat der Stadt übergab 1360 die Macht an die Berufskorporationen. Im 14.
Jahrhundert trat Colmar dem Zehnstädtebund bei. Seit 1564 bestand in Colmar wie in anderen Städten am Oberrhein eine bekannte Meistersingerschule. Josel von Rosheim führte 1548 einen Prozess für die Juden der Stadt Colmar vor dem Reichskammergericht wegen des seiner Ansicht nach unzulässigen Marktverbotes der Stadt für sie. 1512 mussten alle Juden die Stadt verlassen, Synagoge und jüdischer Friedhof wurden vom Kaiser Maximilian I. beschlagnahmt und an die Stadt verkauft.
Reformation und Gegenreformation Am 15. Mai 1575 wurde in der Franziskanerkirche in Colmar (heute Église protestante Saint-Matthieu) der erste lutherische Gottesdienst abgehalten. Trotz der geographischen Nähe zu wichtigen Zentren der protestantischen Bewegung wie Straßburg, Basel und Schlettstadt dauerte es ein halbes Jahrhundert, ehe die Stadtverwaltung den Colmarer Protestanten ihre liturgischen Bräuche genehmigte. Dreißigjähriger Krieg Im Dreißigjährigen Krieg wurde Colmar 1632 von schwedischen Truppen belagert und eingenommen. Die Stadt erhielt eine französische Garnison, deren lutherischer Kommandant de Manicamp (Achille de Longueval, seigneur de Manicamp, gouverneur de Colmar et de la Fère) zum Gouverneur des Oberelsass ernannt wurde.
Colmar unter französischer Herrschaft Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. besetzten Colmar im Jahr 1673. Die Ortschaft wurde 1680 zusammen mit Türkheim, Kaysersberg und Münster im Georgiental mit deren Besitz (24 Ortschaften) vom Königreich Frankreich annektiert. Colmar wurde Sitz der „Allgewaltigen Ratsversammlung der Provinz Elsass“. Colmar wurde 1791 Sitz der Verwaltung des Departements Haut-Rhin.
Colmar im 19. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Colmar eine leistungsfähige Textilindustrie. Nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) wurde Colmar Teil des neugebildeten Reichslandes Elsass-Lothringen im Kaiserreich, die Stadt wurde Hauptstadt des Bezirks Oberelsass und Sitz eines eigenen Oberlandesgerichtes. 1902 wurde in der Stadt der Betrieb der Straßenbahn eröffnet, die 1960 stillgelegt wurde.
Zwischenkriegszeit Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde Colmar von 1918 bis 1919 zusammen mit dem übrigen Elsass wieder ein Teil von Frankreich. In der folgenden Zeit war die Stadt, Heimat und Hauptwirkungsstätte des deutschfeindlichen Zeichners Hansi, Austragungsort zweier Konfrontationen im Rahmen der schwierigen Wiedereingliederung des Elsass in das zentralistische und assimilatorische Frankreich. Zwei Tage nach dem Einmarsch der französischen Truppen kam es zu einem Pogrom gegen Deutsche und Juden. In den Ausschreitungen wurden etwa ein Dutzend deutscher Geschäftshäuser, darunter neun in jüdischem Besitz, von einem Mob geplündert und angezündet. So genannte Altdeutsche, also nach 1871 eingewanderte Personen sowie deutschfreundliche Elsässer wurden enteignet und mussten im Winter 1918 innerhalb von 24 Stunden die Stadt verlassen.
Die Personen wurden auf LKW verfrachtet und über die Grenze gefahren. Die Vertriebenen durften nur wenig Handgepäck und etwas Bargeld mitnehmen. Am 22. August 1926 kam es zu den als blutiger Sonntag von Colmar bekannten Übergriffen französischer Nationalisten auf eine von der Präfektur erlaubte Versammlung elsässischer Autonomisten, bei denen Gendarmen die Angreifer unterstützten und Autonomisten verhafteten. 1928 war die Stadt Schauplatz des Komplott-Prozesses von Colmar, eines politisch bestimmten Verfahrens gegen einige „Heimatrechtler“ und „Muttersprachler“ (u.
Karl Roos, Joseph Rossé, Eugène Ricklin, Robert Ernst), welche teils die graduellen Errungenschaften regionaler Selbstbestimmung aus der deutschen Zeit (1911) zu behalten suchten, teils für die Wiederangliederung an das Reich kämpften und von Frankreich als Separatisten betrachtet wurden. Zweiter Weltkrieg Im Zweiten Weltkrieg wurde Colmar 1940 nach der Niederlage Frankreichs als Teil des Reichsgaus Baden-Elsass de facto dem Großdeutschen Reich angeschlossen. Die Synagoge wurde geplündert und die jüdischen Einwohner nach Südfrankreich in Internierungslager deportiert. Viele wurden später vom Vichy-Regime in den Holocaust ausgeliefert und in den Vernichtungslagern des Holocaust ermordet. Ab 1942 wurden die Männer von Colmar völkerrechtswidrig in die Wehrmacht eingezogen (Malgré-nous).
Am 2. Februar 1945 wurde die Stadt nach erbitterten Kämpfen in der Kesselschlacht von Kolmar (Poche de Colmar), der letzten großen Schlacht des Zweiten Weltkriegs auf französischem Territorium, durch die Westalliierten befreit. Es gab jedoch kleinere Schlachten im Rahmen der Operation Undertone noch ab 15. März 1945 im Nordelsass und in Lothringen. Nachkriegszeit Mit der Gründung der Weinmesse Foire aux vins und des Musikfestivals Festival international de Colmar erhielt Colmar 1947 beziehungsweise 1980 zwei der international bekanntesten alljährlichen Veranstaltungen des Elsass.
Colmar wird seit 1947 ununterbrochen von Bürgermeistern aus dem konservativen Lager regiert. 1945–1947 hatte Édouard Richard von der sozialdemokratischen SFIO wieder den Posten übernommen, den er bereits 1935–1940 innehatte. Seine Nachfolger Joseph Rey (MRP, 1947–1977), Edmond Gerrer (UDF, 1977–1995) und Gilbert Meyer (UMP, seit 1995) gehör(t)en jedoch allesamt christlich-demokratisch geprägten Parteien an.
(Quelle: Wikipedia)
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